Garantiert Kinderarbeit!

Die eigenwillige Entstehung des Gebärhockers mit abnehmbaren Beinen

Seit sie denken können, eilt ihre Mutter gleich zu welcher Tages- oder Nachtzeit mit einem sperrigen Möbel über die Schulter gehängt in fremder Leute Wohnungen. Nun gut, sie ist Hebamme. Doch damit nicht genug: den Platz im Fond des Wagens müssen sie sich bereits ebenso lange mit dieser zunächst ungeliebten Utensilie teilen. Halsbrecherisch bepackt, weil selbstverständlich mit weiteren Koffern und Taschen gerüstet, ist diese liebenswürdig energische Frauengestalt ein starkes und treffliches Symbol für die Entschlossenheit moderner Hausgeburtshebammen, – die Familien vieler Leserinnen kennen das vermutlich. Der sich aufdrängende Beigeschmack eines änderungswürdigen Zustandes scheint diesen wackeren Frauen aber so regelmäßig zu entgehen, wie ihre nähre Umgebung sich auf die eine oder andere Weise kopfschüttelnd wundern mag. Da kommt die Bastel- und Erfinderlaune der oft genug in Vaters Werkstatt herum brutschelnden Kinder auf eine Idee, – wie gesagt, nicht vollends ohne eigennützigen Hintergedanken. So ein Gebärhocker muss weder starr wie ein Stuhl konstruiert sein, noch hat er plump und überdies ästhetisch unansprechend daherzukommen. Außerdem, so die Mutter und befreundete Hebammen, sollte er doch eigentlich höher und der Ausschnitt größer und die Sitzfläche haltspendender sein………. Ein Modell entsteht, Änderungen werden erwogen, Teils verworfen. Ein Exemplar, dann ein noch besseres. Befreundete Hebammen melden Interesse an. Das ist gut, denn jetzt sind Malenka und Yannis (16 und 12) so richtig in Fahrt gekommen. Dieses und jenes Problem sollte wohl noch zu besänftigen sein. Eine Drechselbank wird aufgetrieben, um der Form von Beinen je nach Wunsch der Hebamme Schwung zu verleihen. Ja und Beutel wird man auch nähen müssen, das gute Stück soll über die Schulter gehängt doch genauso praktisch wie hygienisch zu transportieren sein. Oder wahlweise auch eine andere Tragevorrichtung? Bald sind die Hebammen im Kreise der Mutter versorgt und obwohl sich noch immer jeder weitere Hocker um eine Finesse verfeinert, ist das in aller Regel aus Eiche gebaute Kunstmöbel allmählich erwachsen geworden. Dass Kinder an den Berufen ihrer Eltern so konstruktiv teilhaben können, ist uns längst nicht mehr selbstverständlich. Dass sie in der weiteren Anwendung so erworbener Fähigkeiten aber selbst ein Stück auf die Welt des Berufslebens zugehen, ganz praktisch und wie von alleine, ist eine inspirierende aber viel zu selten ermöglichte Begleiterscheinung des gemeinsamen Lebensraumes von Eltern und Kindern. Hier kann sie von denen, die zufällig gerade nach einem Gebärhocker Ausschau halten, auch noch unterstützt und hautnah miterlebt werden, denn auch Präsentation und Verkauf wollen gelernt sein und sollen nun via Internet professionalisiert werden. Die Adresse ist übrigens www.malenis.e33.de